Der Prozess der Reinigung des Geistes

'Viele Menschen versuchen zu meditieren -
und sie stellen dann irgendwann fest,
dass sie keine Fortschritte machen.

Sie haben darauf vergessen, ihren Geist zu reinigen.'

Swami Veda Bharati

citta-shuddhi -
Hindernisse auf dem Weg der Yoga-Meditation klären

Wenn man entspannt und beginnt, den Geist in der Meditation zu sammeln, reduziert sich die Aufnahme äußerer Reize: manas, der oberflächliche Geist (das Wachbewusstsein), wird ruhiger.

Doch dann beginnen aus dem Bereich der latenten geistigen Tendenzen (samskaras und vasanas) sonst im unbewussten Geist verborgene Inhalte an die Oberfläche aufzusteigen:
Gedanken, Erinnerungen, Ideen, Wünsche, Bewertungen und dergleichen. Sie erzeugen erneut Unruhe im oberflächlichen Geist, lenken die Aufmerksamkeit ab und werden als 'Störungen' im Üben erlebt.

Ursache dieser Ablenkungen sind ungelöste emotionale Themen, die als Spannungsmuster im unbewussten Geist eingelagert sind.

Im ersten Abschnitt des Übungsweges übt man sich darin, diese geistigen Ablenkungen loszulassen. Zugleich arbeitet man an der Bereinigung der Ursachen dieser auftauchenden Störungen.

Emotionale Spannungen

In allen aus dem Unbewussten unwillkürlich aufsteigenden Inhalten findet immer eine ungelöste und meist unerkannte emotionale Spannung ihren Ausdruck. Dieser emotionale Gehalt bildet die eigentlich treibende Kraft all dieser Störungen. Es geht daher in der Meditation nicht darum, diese ablenkenden Gedanken loszuwerden, sondern vielmehr um Klärung und Lösung der ihnen zugrundeliegenden emotionalen Spannungen.

'Reinigung des Geistes' ist in erster Linie ein innerer Heilungsprozess: das Heilen seelischer Verletzungen, die Klärung belastender bzw. destruktiver Tendenzen des Geistes.

Methoden der Yogis

Aus den Erkenntnissen der Yogis und Yoginis, gewonnen in intensiver innerer Forschungsarbeit, entwickelten sie vielfältige praktische Ansätze, um den Geist von diesen Tendenzen zu reinigen.

Drei Ansätze stehen im Mittelpunkt:
  • das achtsame Kultivieren der ethischen Verhaltensrichtlinien des Yoga (yamas, niyamas) im täglichen Leben
  • das geduldig wiederholte Loslassen auftauchender Störungen (Ablenkungen in der Meditationspraxis) - durch die Praxis der Entspannung (shaithilya), achtsamer Wahrnehmung (smriti-upasthana) und Loslösung (sakshi-bhavana) sowie der Selbsterforschung (atma-vicara)
  • das gezielte Aufbauen förderlicher, das bedeutet vor allem sattvischer Tendenzen des Geistes - als Gegenströmung zu den Ursachen der Störungen (prati-paksha-bhavana).
    Man kultiviert Eigenschaften wie freundliche Zuwendung, Akzeptanz, Gelassenheit, die brahmaviharas. Die mantra-Praxis bildet ebenso ein zentrales Element der Reinigung.

Resultate

Durch das achtsame Beobachten und Erforschen seiner inneren Zustände und Tendenzen werden die handlungsmotivierenden emotionalen Antriebskräfte bewusster erfahrbar. Die Wahrnehmung dringt in immer tiefere Bereiche des unbewussten Geistes vor, und man gewinnt allmählich ein immer tieferes Verständnis über sich selbst, seine persönlichen Tendenzen und Prägungen und wie man im Leben funktioniert und handelt.

Durch die Anwendung (das 'Kultivieren') der geeigneten Gegenmittel wird es möglich, im Lauf der Zeit belastende, hinderliche bzw. destruktive Gewohnheiten allmählich zu schwächen (tanu-karana) und schließlich aufzulösen.

Das konsequente Anwenden dieser Methoden 'über lange Zeit' (siehe Yoga-sutras) vermindert zunehmend die Wirksamkeit der sonst unbewussten hinderlichen Tendenzen (samskaras, vasanas) sowie ihrer Wurzeln (kleshas) - und schließlich können sie ganz aufgegeben werden.

Mit zunehmender Schwächung der hinderlichen Tendenzen können im zunehmend ruhigeren und ausgeweiteten Wachbewusstsein Eindrücke aus den höherschwingenden, klaren und inspirierenden Bereichen des Geistes (buddhi) bewusst wahrgenommen und als Orientierung auf dem eigenen Übungsweg und für die Entwicklung neuer Möglichkeiten und Perspektiven im Leben genutzt werden.

Zwei weitere Resultate dieser Reinigung des Geistes sind:

  • die zunehmende Fähigkeit zu geistiger Sammlung (dharana) - die schließlich bis hin zur Einpunktigkeit reicht (ekagrata, unabgelenkte Ausrichtung des Geistes) -
    d.h. die sonst latenten kreativen Kräfte des Geistes erschließen sich
  • und man erreicht den Zustand von citta-prasadanam - einen von Klarheit und Schönheit erfüllten Geist.

Die Grundlage des Weges

Dieser Prozess der Reinigung des Geistes von belastenden und einschränkenden Faktoren bildet eine zentrale Voraussetzung für weitere Schritte auf dem Yoga-Übungsweg.

Sich selbst besser verstehen lernen, die Ansätze der Heilung belastender Emotionen sowie die praktische Umsetzung im Alltagsleben bilden die ersten großen Bereiche der inneren Auseinandersetzung auf dem Weg der Yoga-Meditation.

Erst mit Entwicklung dieser Grundlagen erwirbt man die Qualifikation für die weiterführende Praxis. Erst mit dem Erreichen der vertieften Stufen der Konzentration bzw. Meditation macht es Sinn, die fortgeschritteneren Methoden der Meditation zu nutzen. Denn erst dann hat der Geist die nötige Kraft entwickelt, diese Zugänge zu erschließen.

Autor:
Michael Kissener

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