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Ablenkungen in der Meditation

Auszüge aus der Vortragsserie 'Meditation: Weg zum Höchsten Bewusstsein'
von Swami Veda Bharati
Teil 5

Buddha hat darauf hingewiesen: 'Für jene, die nach Erleuchtung streben, ist die Anhaftung an die Welt der Formen eine Gefahr. Doch die Anhaftung an die Welt der nichtgreifbaren, subtilen Erscheinungen ist für sie noch weitaus gefährlicher.' Denn diese Art der Anhaftung ist sehr viel schwerer zu erkennen.

New Age und Co.

Viele entwickeln Vorstellungen, Fantasien und Ängste betreffend die subtilen Ebenen. Andere wollen Hellseher oder dergleichen werden. Inwiefern sollte das nützlich sein? Es bestärkt und vergrößert nur das Ego. All diese eigenartigen Vorstellungen - von LSD bis zum Handlesen, das nahe Ende der Welt, ein neues Zeitalter etc.

Wir leben in keiner besonderen Zeit, es gibt kein Ende der Welt und auch kein neues Zeitalter. Alles was existiert, ist hier, ist jetzt - und es ist in dir. Wir befassen uns hier mit einem Weg der Reinigung des Geistes und des Freiseins von äußeren Konditionierungen und Anhaftungen. Das Ende der Welt betrifft die alte Welt in dir, eine andere Welt ist gerade im Entstehen. Ein neues Zeitalter beginnt in dir, du gestaltest dir dein eigenes neues Zeitalter.

Du möchtest wissen, wie es um deine Zukunft bestellt ist und suchst Handleser oder Astrologen auf. Doch all das entsteht allein aus Angst und Unsicherheit. Ich bin von Karma überzeugt, es betrifft das eigene Handeln. Heutzutage wird Karma oftmals als Vorbestimmung oder Schicksal übersetzt. Doch Karma bedeutet Handlung - mein Handeln, mein Entscheiden, mein Wollen. Jetzt in diesem Moment kannst du beispielsweise deine weitere Entwicklung entscheiden und beschließen.

Man ist die Summe seiner Gedanken

Als Persönlichkeit ist man nichts anderes als die Summe aller Gedanken, die man je in seinem Leben gedacht hat. In fünf Jahren ist man die Summe all der Gedanken, die man bis jetzt gedacht hat plus all die Gedanken, die man von jetzt an bis in fünf Jahren denkt.

Jeder Mensch hat die Möglichkeit, sich so zu verändern, dass man nur noch die erwünschten Situationen anzieht. Es sind nicht die Sterne oder Planeten, die dir mitteilen, 'Tu dies oder unterlasse jenes.'

Man kann seinem Geist mitteilen, was er denken soll. Wir alle haben diese Fähigkeit. Die Gedanken, die du im Zeitraum zwischen jetzt bis in fünf Jahren in dir kultivierst, werden die entsprechenden Situationen gestalten, die für dich entstehen, egal wie deine Lebenssituation heute sein mag.

Finde dieses Zentrum in dir, aus dem dein Wollen dich zur Erfahrung innerer Ruhe führen kann. Anfänger auf diesem Weg sollten in der Meditation erst einmal diese innere Ruhe suchen. Sobald man in seiner Meditation diese innere Ruhe erfährt, wird etwas davon in deinem täglichen Leben weiter wirken, und dann hat man bereits viel erreicht. Diese Fähigkeit, seinen Geist ruhig, friedvoll und angenehm zu gestalten, ist eine wichtige Errungenschaft. In dieser inneren Ruhe verschwinden alle unangenehmen und leidvollen Gedanken. Und wenn Unruhe oder unangenehme Situationen auftauchen, ist man fähig, diese ruhige Qualität des Geistes auf die Umgebung zu übertragen. Wir alle sind dazu fähig, doch erfordert es einen festen Entschluss.

Ablenkungen in der Meditationspraxis

Das Thema der störenden Gedanken in der Meditation haben wir noch nicht ganz abgeschlossen. Wir wissen, dass sie deshalb auftauchen, weil wir sie im Geist deponiert haben. Wir selbst erzeugen unsere Gedanken. Was immer wir aufnehmen - die Art von Erfahrungen, für die wir uns entscheiden, die Bücher die wir lesen, die Filme die wir anschauen, die Menschen, mit denen wir uns umgeben, wie wir auf andere reagieren, die Art von Empfindungen und die negativen oder positiven Gefühlen, die wir in uns kultivieren: all das hinterlässt Eindrücke in unserem Geist. Man sollte sich stets daran erinnern, dass man selbst die Art von Gefühlen selbst wählt.

Ich wiederhole immer wieder: man kann jederzeit seine Stimmung selbst bestimmen. Man selbst gestaltet seinen Geist. All die Dinge die man aufnimmt, bilden das Rohmaterial der eigenen Gedanken.

Und wenn man dann seine Augen schließt um zu meditieren, spielt sich im Inneren etwas ab. Dieses Rohmaterial, diese Eindrücke, beginnen aufzusteigen. Sobald der oberflächlich bewusste Geist entspannt, steigen Dinge aus dem Unbewussten auf. Wenn der Geist zu wandern beginnt und nicht mehr beim Atem bleibt, geschehen dreierlei Dinge: Wirbelsäule und Nacken verlieren ihre Aufrichtung, es entstehen muskuläre Anspannungen und der Atem wird beeinträchtigt. Sobald man sich bewusst wird, dass deine Gedanken abgelenkt wurden, sollte man sich wieder aufrichten, entspannen und wieder auf den Atem ausrichten.

Und dabei sollte man sich nicht emotional in die aufsteigenden Gedanken verwickeln lassen, sondern einfach nur immer wieder zum Atem zurückkommen. Es ist ähnlich wie beim Lernen einer Sprache, man macht Grammatik-Fehler, doch man übt weiter. Man trainiert also weiter seinen Geist und lässt sich davon nicht abbringen. Egal wie oberflächlich die Meditation sein mag, nach der Meditation erlebt man in sich etwas mehr Ruhe als zuvor. Und nochmals, man sollte sich nicht emotional in die aufsteigenden Gedanken verwickeln lassen. Beobachte einfach die Tatsache, dass Gedanken aufsteigen - das ist alles. Sie verschwinden und man kehrt zur Meditation zurück.

Ungelöste Angelegenheiten

Anfangs sind diese aufsteigenden Gedanken meist zufällig und zusammenhanglos. Im Lauf der Zeit verändert sich jedoch die Qualität der aufsteigenden Gedanken in der Meditation und sie können uns in mancher Hinsicht im Leben weiterbringen. Diese Gedanken weisen uns auf unerledigte Dinge im Leben hin. Mit diesen Gedanken befasst man sich jedoch erst nach der Meditation: was ist ihr Inhalt, worum geht es? Es wird dann beispielsweise deutlich, dass man in einer bestimmten Angelegenheit noch etwas zu erledigen hat.

Beispielsweise sucht man dann eine gute Lösung für Unstimmigkeiten in seinen Beziehungen. Die innere Stille, die Ruhe der Meditation verleihen den dafür nötigen Mut, die Stärke und Anleitung.

Die aufsteigenden Gedanken sind also nicht insgesamt unerwünscht. Es ist in etwa wie wenn du bei einem Psychiater auf der Couch liegst. Man entspannt und erzählt von sich. Beim Psychiater zahlst du pro Stunde viel Geld. Doch auch in der Meditation kommen dieselben Themen an die Oberfläche. Der bewusste Geist entspannt und all der verborgene Kram kommt zum Vorschein. Die Kunst besteht allerdings darin, diese Dinge wie eine Seifenblase vorbeiziehen und dann platzen zu lassen. Sie kommt, ist da und verschwindet dann. Man lässt es vorüberziehen und lässt es los, man lässt sich nicht hineinziehen.

Reinigung des Geistes

In der Yoga-Philosophie findet man viele spezifische Richtlinien, wie man sein Leben positiv ausrichten kann. Ersetze negative Emotionen durch positive Gefühle. Reinige und kläre deinen Geist und bleib an diesem Prozess dran. Arbeite an einer klaren Ausrichtung und suche die Ruhe, die Momente der Stille.

Viele kämpfen gegen die im Geist auftauchenden Wellen von Emotionen und Unruhe an und werden dann leicht entmutigt, ihre Praxis fortzusetzen.

Mein Hinweis: diese Wellen lassen sich nicht beseitigen, wenn man gegen sie ankämpft. Man kann die Wellen an der Oberfläche nicht aufhalten. Und doch ist nur ein kleiner Teil des Geistes damit beschäftigt. Es gibt in der Meditation eine unermessliche Tiefe, in der man Verbindung zum Unendlichen findet. Kämpfe daher nicht gegen die aufkommenden Gedanken an, sondern bring die Aufmerksamkeit zurück zum Atem, beobachte das Fließen des Atems. Halte dein persönliches Mantra im Geist aufrecht und finde immer wieder dorthin zurück. Auf diese Weise lernt man, in die Tiefen unter den Wellen an der Oberfläche des Geistes zu tauchen.

Die Wissenschaft der menschliche Persönlichkeit und all ihrer Fähigkeiten ist ein riesiger Forschungsbereich. Lerne in diese Tiefen einzutauchen und immer weiter zu gehen.

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